Stärken von PRINCE2:

Die PRINCE2-Methode hat eine Reihe von Stärken: Sie liefert stark standardisierte Projekte, die ein einheitliches Vorgehen, einheitliches Vokabular und einheitliche Dokumente haben. Schließlich ist es eine leicht erlernbare Arbeitsweise und jeder, der mit einer Methode vertraut ist, kann sich in einem sorgfältig geführten PRINCE2-Projekt schnell zurechtfinden. Sie verkörpert „Best Practice“ im Projektmanagement, d.h. sie beinhaltet verschiedene in der Praxis bewährte Methoden. Sie propagiert „Management by Exception“ als Richtlinie, was es den Projektmanagern erlaubt, ihre Arbeit ohne unnötige Einmischung auszuführen, während gleichzeitig übergeordnete Manager an den Punkten, wo das Projekt schlecht läuft (oder nach PRINCE2 „außerhalb der Toleranzgrenzen“) involviert werden. Sie sorgt für kontrollierten Start, Verlauf und Ende des Projekts. Für jeden Dokumententyp, der von PRINCE2 gefordert wird, stehen Vorlagen mit den geforderten Unterstrukturen zur Verfügung. So entsteht eine leicht verständliche, standardisierte und vollständige Dokumentation. Sie kann auf die Bedürfnisse einzelner Organisationen oder Projekte angepasst werden. Sie ist gebührenfrei, so kann eine Organisation von ihren Lieferanten fordern, PRINCE2 einzusetzen, ohne Lizenzfragen beachten zu müssen. Die PRINCE2-Materialien liegen als veröffentlichte Dokumente vor, so dass eine Organisation nicht ihre eigene Projektmanagement-Methode entwickeln muss, um ihr Personal in ihrer Anwendung zu schulen.

Schwächen von PRINCE2:

PRINCE2 hat als Best-Practice-Ansatz kaum Schwächen. Es gibt allerdings eine Reihe von Vorurteilen, die man immer wieder lesen kann. So wird behauptet, PRINCE2 sei dokumentenlastig, weil es im Handbuch 26 Templates gibt. Tatsächlich spricht PRINCE2 nicht von Templates, sondern von Managementprodukten. Im Gegensatz zu Spezialistenprodukten werden Managementprodukte von Mitgliedern des Projektmanagement-Teams hergestellt. Immer handelt es sich um zusammengestellte Informationen, die zur Steuerung des Projekts benötigt werden. Es gibt drei Kategorien von Managementprodukten, einmal die sogenannten Baseline-Produkte. Sie beschreiben den Soll-Zustand (Nutzen, Ziele, Pläne, etc.) und unterliegen dem projektinternen Change Management (genehmigungspflichtig). Dann die sogenannten Reports, die über die Ist-Situation berichten, und die Informationen, die zwischengespeichert werden müssen, die sogenannten Records (Register offener Punkte, Risikoregister, etc.). Eine der Stärken von PRINCE2 ist es, dass in den Managementprodukten der Informationsbedarf der Beteiligten vorweggenommen wird (z.B. Eskalation als Entscheidungsvorlage).

Ein weiteres Vorurteil ist die Behauptung, PRINCE2 sei technokratisch, weil Themen wie Konfliktmanagement, Teammotivation etc. nicht erwähnt werden. Dazu ist Folgendes zu sagen: PRINCE2 geht von einer Kunden-/Lieferantensituation aus. Arbeiten und die Verantwortung für die Herstellung von Produkten wird an Lieferanten delegiert (intern oder extern). Mit welcher Herstellungsmethode die Lieferanten arbeiten, wird von PRINCE2  nicht vorgeschrieben – es muss nicht PRINCE2 sein. Die Motivation von Projektmitarbeitern fällt den Lieferanten zu und ist damit keine primäre Aufgabe des Projektmanagements nach PRINCE2.

Eine weitere Behauptung ist die, dass PRINCE2 für kleine Projekte nicht geeignet ist, man schieße dann mit Kanonen auf Spatzen. Tatsächlich ist die Anpassung von PRINCE2 an die jeweilige Projektsituation ein elementarer Bestandteil von PRINCE2. Die Initiierungsphase von PRINCE2 dient neben der Projektplanung vor allem der Anpassung der Methode. PRINCE2 wird nicht „von außen“ skaliert (z.B. mit Regeln für große, mittlere, kleine Projekte, etc.), sondern die Anpassung erfolgt durch die Anwendung der Methode.

Probleme gibt es in der Praxis bei einem geringen organisatorischen Reifegrad der Organisation. Dies gilt allerdings für jede Methode.